Die vier Erfolgsfaktoren für die Etablierung von DiGAs in die Regelversorgung

von Melanie Dening

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Ihr habt eine digitale Gesundheitsanwendung entwickelt? Top!  

Euer Produkt ist bereits als Medizinprodukt zertifiziert? Ihr erfüllt die Anforderungen an Datenschutz und an Interoperabilität? Ihr könnt die positiven Versorgungaspekte eurer DiGA im Schlaf aufzählen? Ihr bereitet euch auf das Prüfverfahren beim BfArM vor oder habt es bereits erfolgreich durchlaufen und seid schon im DiGA-Verzeichnis gelistet?   

Prima! Habt ihr euch schon gefragt, wie sich eure digitale Gesundheitsanwendung in die Regelversorgung etablieren lässt? Wir haben Experten aus der Industrie, Medizin, Startups und Patienten befragt und für euch zusammengefasst, welches die ausschlaggebenden Faktoren für die Etablierung von DiGAs als integralen Bestandteil in der gesetzlichen Gesundheitsversorgung sind.  

Bald ein Erfolgsrezept: Digitale Gesundheitsapps  

Mit der Einführung des Digitale-Versorgung-Gesetzes hat sich für medizinische Apps einiges verändert: Als Medizinprodukte niedriger Risikoklasse sind die digitalen Gesundheitsanwendungen komplett erstattungsfähig. Damit blicken die Hersteller digitaler Gesundheitsanwendungen auf einen Markt von 73 Mio. GKV-Versicherten. Digitale Gesundheitsanwendungen, sogenannte DiGAs, werden von Ärzten bisher jedoch nur zögerlich verschrieben und von Patienten noch wenig genutzt. Laut einer Umfrage der BARMER unter 1.000 Ärztinnen und Ärzten von März bis Mai dieses Jahres stehen zwar knapp die Hälfe der Befragten den Apps positiv oder zumindest teilweise offen gegenüber. Allerdings fühlen sich 56 Prozent der Ärztinnen und Ärzte schlecht für die Beratung rund um die Apps gewappnet und knapp die Hälfte von ihnen sei noch nie von Patienten nach einer App gefragt worden. Die Nachfrage wird steigen – darüber sind sich Experten aus der Industrie, Medizin einig. Was können Startups tun, um Ihre Apps zu pushen? Folgende vier Faktoren entscheiden darüber, ob eine DiGA in die Regelversorgung aufgenommen wird:  

1.) Akzeptanz der Ärzte- und Patientenschaft 

2.) Anwendernutzen 

3.) Aktive Nutzung 

4.) Bekanntheit 

Arzt-Patient-Gespräch

 

1.) Akzeptanz der Ärzte- und Patientenschaft: Ärzte sind der Schlüssel zur DiGA-Welt  

“Der Erfolg des digitalen Wandels im Gesundheitswesen steht und fällt damit, wie weit Patienten, Versicherte und Leistungserbringer digitale Lösungen akzeptieren,” so die Bertelsmann Stiftung.  

Vor allem die ÄrztInnen sind maßgebliche Akteure in der DiGA-Welt: Sie verschreiben die Apps und ihre Empfehlungen haben einen hohen Stellenwert für die Patienten. Ob die Patientenschaft eine DiGA akzeptiert, hängt in erster Linie von der Akzeptanz der Ärzteschaft ab - für DIGAs im Allgemeinen ist diese jedoch nicht ausreichend gegeben. Noch immer wissen viele Ärzte nicht, was eine DiGA ist. Hier besteht massiver Informationsbedarf: Laut BARMER-Umfrage wünschen sich 74 Prozent der Befragten einen Überblick über das bestehende App-Angebot. „Um eine Gesundheits-App einschätzen und einsetzen zu können, sind kurze Steckbriefe mit allen relevanten Fakten hilfreich”, so der Landesgeschäftsführer der BARMER in Schleswig-Holstein, Dr. Bernd Hillebrandt. Für eine bessere Akzeptanz müssen DiGA-Hersteller demnach ausreichend Informationen bereitstellen. Die Akzeptanz steht darüber hinaus auch in einem engen Zusammenhang mit der aktiven Nutzung und dem Anwendernutzen.  

2.) Anwendernutzen: Klare Mehrwerte!    

Der wichtigste Anwendernutzen sowohl für den Leistungserbringer als auch für die Patientenschaft ist eine bessere Versorgung. Bekommt der Arzt über die DiGA mehr Daten über den Patienten zur Verfügung gestellt, sind weniger Arztbesuche notwendig. Der Patient hat durch die in der DiGA zur Verfügung gestellten Informationen weniger Bedarf, den Arzt zu kontaktieren, da über die Anwendung evaluierte Informationen übermittelt werden – so sorgt die DiGA durch die zeit- und ortsunabhängige Datengenerierung für eine effizientere Versorgung. 

Weitere Anwendernutzen sind außerdem das Schließen von Versorgungslücken, vor allem in strukturschwachen oder ländlichen Regionen, sowie der Zugewinn von Erkenntnissen über die Erkrankung des Patienten durch das regelmäßige Generieren von Daten.  

DiGAs ohne klaren Anwendernutzen werden von Patienten entweder nicht in Anspruch genommen oder sorgen für einen schnellen Nutzungsabbruch. In diesem Zusammenhang ist die Ausrichtung einer DiGA auf den direkten Anwendernutzen ein Must-Have. Der Nutzen sollte zudem ausreichend klar kommuniziert werden.   

3.) Aktive Nutzung: Erkennbarer Mehrwert und benutzerfreundliches Design 

Grundlage für die Entfaltung des Mehrwerts einer DiGA für die Patientin oder den Patienten ist eine aktive Nutzung. Je intensiver eine Patientin oder ein Patient eine App nutzt, desto überzeugter ist sie oder er vom Mehrwert der Anwendung. Patienten, die eine Verbesserung, Entlastung oder ähnliches durch die Nutzung einer DiGA erleben, bleiben in der Regel adhärent.   

Die aktive Nutzung korreliert mit der Akzeptanz der Ärzteschaft: Sie verordnen die Anwendung. Ob und wie intensiv der Patient die App nutzt, hängt von der Anwenderfreundlichkeit und dem Anwendernutzen bzw. dem Mehrwert der App ab. Hier sind die Hersteller gefragt: Nur durch ein durchdachtes Design, dem ein echtes Verständnis der Patientenwelt zugrunde liegt, lässt sich eine App optimal in den Alltag der PatientInnen integrieren. Wichtig sind hier klug gewählte Touchpoints zwischen PatientIn und App sowie die simple und intuitive Handhabung der Anwendung.  

4.) Bekanntheit: Mehr Informationen bitte!  

Nur wenn eine Anwendung ausreichend bekannt ist und auf positive Resonanz in der Ärzteschaft stößt, werden die Anwendungen verschrieben. Der Zugang der Patienten zu einer digitalen Gesundheitsanwendung erfolgt zum einen über die Ärzteschaft, der Patient kann die App aber auch bei seiner Krankenkasse anfragen – daher gilt es diese Zielgruppen über die wichtigen Rahmendaten wie Indikationsbereiche, wichtige Funktionen oder Nutzungsdauer bestmöglich zu informieren. Auch die Ärztekammern und die kassenärztlichen Vereinigungen können bei der Informationsverteilung als Multiplikatoren herangezogen werden und bei der Nutzung, beispielsweise im Sinne von Kundensupport bei aufkommenden Fragen unterstützen. Für die wichtige Bereitstellung dieser Informationen können Kooperationen mit anderen DiGA-Herstellern oder Pharmaunternehmen im Bereich Vertrieb hier eine zielführende Strategie darstellen.  

Fazit: Informationen sind der Dreh- und Angelpunkt 

Die Basis für die erfolgreiche Etablierung einer DiGA in der Regelversorgung ist eine umfangreiche Informationsverteilung. Hier sind die DiGA-Hersteller gefragt: Sie müssen dafür sorgen, dass die Ärzteschaft, die PatientInnen und die Krankenkassen über alle zentralen Eckpunkte, allen voran den konkreten Anwendernutzen, informiert sind. Die Informationsbereitstellung wiederum ist die Grundlage für die Bekanntheit, für die Akzeptanz der Ärzte- und Patientenschaft und für die aktive Nutzung. Diese Faktoren stehen in einem engen wechselseitigen Verhältnis zueinander: Je bekannter eine App, desto akzeptierter ist sie, je akzeptierter sie ist, desto bekannter kann sie werden und so weiter.  

Kooperationen von Startups und Pfizer für eine bessere medizinische Versorgung  

Der Pfizer Healthcare Hub Berlin und die Experten von Pfizer unterstützen Startups mit ihren Kontakten zu Ärzte- und Patientennetzwerken, den Mehrwert einer DiGA zu kommunizieren, deren aktive Nutzung zu sowie die Akzeptanz bei Ärzten und Patienten zu fördern und die Bekanntheit der Anwendung zu steigern. Das Team vom Healthcare Hub unterstützt aber auch bei allen anderen Herausforderungen rund um DiGAs - beispielsweise durch Beratung zur Vorbereitung auf die Zulassung als DiGA oder mit Kooperationen zu Marktstudien. Durch strategische Kooperationen zwischen Startups und Pfizer lässt sich das gemeinsame Ziel, die Entlastung der Akteure im Gesundheitswesen sowie die Ergänzung bestehender Therapien für eine bessere medizinische Versorgung, schneller und leichter erreichen.

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